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World Culture Forum
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Management by Music


Beim gemeinsamen Musizieren vollziehen sich in besonderer Dichte Dinge, die sich im Mit- und Füreinander von Menschen aufzeigen lassen: Intensiv und genau wird aufeinander gehört; sensibel wird der eigene Beitrag dem Takt des Ganzen angepasst und in der Abfolge von Ruhe und kontrolliertem Krafteinsatz entsteht ein Werk. Missklänge lassen sich sehr selten einfach ignorieren, und alles wird besser und besser, je öfter es geprobt, kritisiert und verbessert wird. Es mutet daher nur auf den ersten Blick befremdlich an, möglichen Strukturähnlichkeiten bei der Herstellung von Musik mit Aufgaben der Unternehmensleitung und sozialer Verantwortung nachspüren zu wollen: Wie können die Qualitäten gemeinsamen Musizierens in Wirtschaftsunternehmen fruchtbar gemacht werden?

Musik ist ein künstlerisches Kommunikationsmedium, dessen gemeinsames Hervorbringen Gemeinsinn stiften kann. Laute, Musik und Musizieren gehören zu den elementarsten, bereits angeborenen Fähigkeiten des Menschen. Dergleichen lässt sich folglich auch zu allen Zeiten und in allen Kulturen finden. Mit Musik eng verknüpfen sich stets vielfältige emotionale Erfahrungen. Da die Emotionen des Menschen ganz zu Unrecht hinter der Übersteigerung seiner gewiss auch vorhanden rationalen Entscheidungsprozesse zurückgetreten sind, verwundert es zunächst nicht, dass es häufig noch auf Erstaunen stößt, wenn die zusammenhaltstiftende Wirkung der Musik mit der Führung von Wirtschaftsunternehmen in Verbindung gebracht wird. Geradezu komisch mutet es daher an, wenn der Vorschlag gemacht wird, man solle nach dem Mittagessen in der Kantine gemeinsam singen. Doch die Verpflichtung einer Gruppe auf einen zweckrationalen Prozess allein vermag Sinn für das Gemeinsame nicht zu stiften.

Dabei kann allein schon das musische Engagement eines Unternehmens Strahlkraft nach innen entwickeln. Bei solchen Unternehmen, die sich in musischen Projekten engagieren, ist allerdings die Leidenschaft der Unternehmer für das jeweilige Kulturprojekt besonders wichtig. Motivation für das Engagement in einem Kulturprojekt darf nicht nur Mittel zum Zweck, etwa zum Bewerben neuer Produkte oder allein zur Pflege einer Außendarstellung sein. Vielmehr muss es zum Zweck unternehmerischen Handelns selbst werden, kulturschaffend tätig zu werden – freilich nur in Teilen, aber in diesen mit umso mehr Begeisterung. Besonders fruchtbar ist ein derartiges Engagement des Unternehmers, wenn er seine Mitarbeiter in den Prozess des Kulturschaffens einbezieht, sei es als Mitwirkende oder als Konsumenten jener vom Unternehmer geschaffenen Kultur. Nur durch mehr oder minder aktiven Beteiligungsformen wird Gemeinsinn und kulturelle Identifikation im Unternehmen auch zu einer Ressource.

Dieser Sinn für das Gemeinsame führt dann natürlich wiederum zu ganz praktischen – und keineswegs nur ‚weichen‘ – Vorteilen: Wer Menschen in einem Unternehmen begeistern will, muss sie auf der ganzen Palette ihres – eben auch kulturellen – Daseins ansprechen. Nimmt man die Mitarbeiter als Menschen in ihrer Ganzheit ernst und degradiert sie nicht zu Wesen, die nur auf materielle Anreize reagieren, werden die Chancen beträchtlich erhöht, dass deren Motivation auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten bleibt und ein – eben nicht nur materiell definiertes Ziel – nicht aufgegeben wird.

Die zunehmend wichtiger werdende Rolle der teilzeit-kulturschaffenden Unternehmer ist schon deshalb nicht zu verachten, weil der Staat sich als Kulturförderer aufgrund der sich in den nächsten Jahrzehnten beträchtlich verknappenden finanziellen Ressourcen nur geringerem Umfang betätigen kann. Opernwettbewerbe, Musikfestivals, Opern-Übertragungen auf Videoleinwände umfassen nur einige solcher in den letzten Jahren begonnener Kulturengagements von Unternehmen, die dabei weniger einen markenpolitische Absicht hegen, als vielmehr den Anspruch zu verwirklichen suchen, selbst bei der Produktion von Kunst und Kultur aktiv zu werden.

Die Gemeinsinn stiftende Wirkung gemeinsamen Musizierens lässt sich auch im interkulturellen Dialog feststellen; allerdings – und dies ist eine spannende Einsicht in der Auseinandersetzung mit den ‚Klängen‘ verschiedener Kulturen – zeigt gerade die Musik, wo auch die Grenzen kultureller Gemeinsamkeiten liegen. So scheint beispielsweise das Tonmaterial türkischer und deutscher Musik völlig inkompatibel zu sein; eine ‚Übersetzung‘ ist geradezu unmöglich. Integration durch das Bewusstsein der eigenen Besonderheit und die Pflege lokaler Musik-Tradition ist daher viel erfolgversprechender, als eine Integration durch die Vermischung von Kulturbeständen.

Ist man beim Musizieren hinreichend versiert, so kann man „Management by Music“ nicht nur als ein Instrument des Stiftens von Gemeinsinn nutzen, sondern dabei Musik vielmehr als Inspirationsquelle für eine Handlungsphilosophie begreifen, mindestens jedoch kann man aus ihr heraus auf den Punkt bringende Metaphern für Management-Prozesse finden. Auch das ist schon viel Wert! Kombiniert man dies, freilich ohne es zum Kitsch zu übertreiben, mit bewusstem Musizieren, übt man gewissermaßen eine Haltung ein, die beim Aufbau aller möglicher zwischenmenschlicher Beziehungen nutzbar wird. Das Motto lautet dabei: Was beim Herstellen von Musik an sozialen Prozesse zu finden ist wie etwa komponieren, dirigieren, zuhören, handeln und pausieren, kann in anderen sozialen Prozessen in ähnlicher Form aufgefunden und bewusst im Sinne des Gelingens konzertierter Handlungen herbeigeführt werden. (Erik Fritsche)

Forum:

Management by Music – Erfolgreiche Unternehmensführung als Beziehungskunst,

Teilnehmer:


Axel Brüggemann, Dr. Werner Marnette, Dr. Frank Müller (Moderation) Prof. Dr. Hermann Rauhe, Prof. Dr. Karin von Welck.

Ansatz:


Idee des Panels ist es, gemeinsames Musizieren als Modell menschlichen Managements und sozialer Verantwortung zu begreifen. Eine solche persönliche Zuwendung ist Teil einer menschlichen geprägten, ethisch orientierten Unternehmenskultur, die nicht nur zu einer stärkeren Identifikation mit dem eigenen Unternehmen führt, sondern mittel- und langfristig zu größeren und nachhaltigeren Erfolgen. Angesprochen sind Manager, die im alltäglichen Umgang mit Mitarbeitern stehen. Am Modell eines Orchesters wird das gemeinschaftliche Anliegen, das intensive aufeinander hören, und sensibles miteinander Umgehen erklärt.

Ort und Zeit


Samstag, 10. Oktober 2009
09:00 - 10:30 Uhr, Gläsernes Studio in der VW Manufaktur

Weitere Hinweise

Simultanübersetzung in deutsch und englisch




Prof. Dr. Dr. Hermann Rauhe, hat diese Diskussionsrunde vorbereitet:

Prof. Dr. Dr. Rauhe
„Mir liegt es sehr am Herzen die Musikvermittlung als wichtigen Baustein für eine menschliche Gesellschaft in den Fokus zu rücken. Vor allem die Manager der Finanzinstitute und der internationalen Unternehmen können sehr viel von der Musik als Beziehungskunst lernen und bekommen sicher viele Fragen beantwortet, warum das Kultur-System Ökonomie kollabiert ist.

Denn beim gemeinsamen Musizieren (oder auch Singen oder Tanzen) müssen wir uns als Teil einer Gruppe einfügen und dort unseren Platz beweisen – aber nicht durch eine Ellbogen-Mentalität, Intrigen oder übersteigertes Ich-Verhalten, sondern durch Leistung, gelebte Gemeinsamkeit und ethische Normen. Wir lernen sehr schnell, dass wir innerhalb einer Musikgruppe nur Erfolg haben, wenn wir dies gemeinsam wollen und umsetzen, wenn wir intensiv aufeinander hören und sensibel miteinander umgehen, wir stellen uns also in den Dienst der Gemeinschaft und überbrücken unseren kurzsichtigen Egoismus.

Wir sollten akzeptieren, dass sich ein Wert nicht nur errechnet durch rationales messen, zählen oder digitalisieren, sondern wir müssen wieder lernen, dass wir Menschen sind mit Geist, Seele und Empfindungen. Natürlich müssen wir alle Geld verdienen und brauchen Währungen, um Waren oder Dienstleistungen zu kaufen oder zu verkaufen, aber Geld darf nicht zum Handelsobjekt, zum Spekulationsmittel und zur rücksichtslosen Profitmaximierung eingesetzt werden.
Die verantwortlichen Manager in den Unternehmen haben nicht nur die Verantwortung dem Unternehmen und ihren Inhabern gegenüber, sondern sie haben z.B. auch eine große Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und im weiteren Sinne, gegenüber dem Planeten auf dem wir alle gemeinsam leben.
Management by Music als Modell für Menschliches Management und soziale Verantwortung.“



Ausführliches Konzept:


Die Vermittlung von Musik und die Vermittlung durch Musik erfolgt am besten und intensivsten durch kunstübergreifendes Netzwerken. Dieses Netzwerken ist ein kultur-
orientiertes Beziehungsmanagement, das sich an ethischen Werten und menschlichen Normen orientiert. Gemeint ist das Netzwerken als Kunst, menschliche Kontakte und Beziehungen aufzubauen. Das kann oft am besten durch und mit Musik geschehen.

Denn Musik öffnet Herzen, motiviert, beflügelt, begeistert.

Musik öffnet Herz und Sinne für das Schöne und Positive, befreit aus Zwängen, weckt Freude am Leben. Musik dient gleichzeitig der Entspannung und Entkrampfung. Sie hilft zur Besinnung, Stille, Konzentration und Meditation. Sie führt uns in die Tiefen unseres Selbst und vermittelt und Gelassenheit und Ruhe. Sie spricht den ganzen Menschen an, bewegt Körper und Seele und regt uns zugleich an, unseren Verstand zu gebrauchen.

Musik vermittelt Eigenschaften und Fähigkeiten, die sinnerfülltes Leben ermöglichen.

Aktives Singen und Musizieren fördert darüber hinaus die allgemeine Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit, aber auch die soziale Sensibilität und Kreativität. Denn Musik schafft Beziehungen, weil sie selbst ein Beziehungsgefüge von Rhythmen, Tönen, Klängen, Formen, Bewegungsabläufen und Stimmen und weil sie auf Vermittlung, auf Kommunikation angewiesen ist.

Deshalb ist die Musik, das Singen und Musizieren eine gute Grundlage für intensives und erfolgreiches Netzwerken, eine Grundlage für eine menschliche Kultur der Wirtschaft, der Politik, der Bildung, des Gesundheitswesens und aller anderen Bereiche der Gesell-
schaft und des Lebens.


In meinem Aufsatz „Der Ton macht die Musik: nonverbale und ästhetische Erfolgs-
faktoren im Beziehungsmanagement“ habe ich die wichtigsten Kriterien einer Kultur des Netzwerkens und Beziehungsmanagements dargestellt. Weitere Kriterien finden sich in dem Buch von Helge Adolphsen und mir: „Lob des Lebens: vom Sinn der reifen Jahre“ (Kreuz Verlag Stuttgart 1993, das in einem anderen Verlag demnächst erscheinen wid). Ausführlichere Hinweise zu diesem Thema finden sich in dem Werk „Musik im Netzwerk von Wissenschaft und Praxis“, Mainz: Schott International 2000, eine Zusammenstellung der wichtigsten einschlägigen Aufsätze von mir. Die ethischen Normen und Zielsetzungen einer Kultur des menschlichen Netzwerkens finden sich in „Ganzheitliche Grundlagen einer positiven Ausstrahlung“ (abgedruckt in meinem Buch: „Nur wer selbst brennt, kann andere entzünden“, Murmann Verlag 2006).
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