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World Culture Forum
Stimmungsbild für Panels European Congress 2009


Potentiale der europäischen Stadt


Städte sind seit vielen Jahrhunderten Zentren menschlichen Lebens, und sie spiegeln dementsprechend oft ein mehrere Jahrhunderte umfassendes Abbild unserer Entwicklung wieder. In ihnen kam und kommt zusammen, was unsere heutige Gesellschaft ausmacht. Noch immer ist zu entdecken was genau es war, das uns zu dem werden ließ was wir heute sind. Aus diesen vielen positiven aber auch negativen Entwicklungen und Erfahrungen lassen sich durchaus Potentiale der Städte für die Zukunft ausmachen. Dies gilt besonders für die vielen Zentren im europäischen Kultur¬raum: für die europäische Stadt.

Die europäische Stadt war und ist als Erfahrungsraum, Modell und Mythos wesentlicher Bestandteil der heutigen europäischen Moderne. Vor allem verbindet sich mit ihr die intensive gesellschaftliche und politische Partizipation einer aktiven Bürgerschaft. Über lange Zeiträume meisterte die europäische Stadt die notwendige Integration sich wandelnder sozialer Schichten und neuer Zuwanderer; schließlich verbindet sich mit ihr ein Lebensstil, der gerade in der Anonymität dem Einzeln¬en große Freiheitsräume und Chancen eröffnet. Doch all die vielen erfolgreichen Errungenschaften und Eigenheiten der europäischen Städte machen vor einem nicht halt: vor der Gegenwart. Mit dieser Gegenwart muss die europäische Stadt wieder einmal umgehen lernen – wesentlich mehr noch als andere Kulturräume Europas. Denn noch viel mehr als früher konzentriert sich der allergrößte Teil menschlichen Wirtschaftens, Wirkens und Zusammenlebens in unseren Städten.

Die Herausforderungen der Gegenwart sind vor allem von einem um¬fassenden gesellschaftlichen Wandel und sich rasant entwickelnden techno¬logischen Errungenschaften und Möglichkeiten gekennzeichnet. Das dies nicht ohne Auswirkungen auf den komplexen, vielschichtigen und oftmals rastlosen Organismus Stadt bleibt, kann schon seit längerer Zeit vielfach beobachtet werden und schafft zahlreiche Herausforderungen für die nahe und ferne Zukunft.

Wie aber geht die europäische Stadt mit diesen Herausforderungen um? Welche Potentiale bietet der einzigartige Kulturraum der europäischen Stadt? Welche Ansätze und Ideen wurden und werden verfolgt? Was hat sich bewährt und wo gilt es sich mit frischen Ideen an neue Modelle zu wagen? Diese Fragestellungen lassen sich entlang dreier Themenkreise diskutieren: erstens anhand der Rolle und Bedeutung lokaler Eliten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; zweitens anhand des Stellenwertes und der Einbindung neuer transnationaler Mittelschichten für die europäischen Städte; und drittens schließlich an den Möglichkeiten und Probleme eines multikulturellen Zusammenlebens in der Stadt.

Die einstmals große Bedeutung lokaler Eliten für die europäische Stadt scheint vorüber zu sein. Zumindest die Bedeutung derjenigen Eliten, von denen früher das Wohl und Gedeihen einer Stadt oft sehr stark abhing: beispielsweise von einstmals wichtigen Unternehmenspatriarchen, die eine Art moralische Verpflichtung für ihre Stadt empfanden und sich dementsprechend engagierten. Dazu zählt, etwa in den nord¬deutschen Städten Bremen und Hamburg, eine Jahrhundert alte Kaufmannstradition, welche das wirtschaftliche, aber eben auch sehr stark das kulturelle Wohlergehen der europäischen Stadt und ihrer Entwicklung beeinflusste. Und obschon diese einstigen Eliten ihre besten Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinter sich haben, können lokale Eliten durchaus auch heute wieder bedeutsam für Wohl und Entwicklung von Städten sein. Dann nämlich, wenn man diese als solche Mitbürger ansieht, die sich in einer Stadt für das kulturelle Gemeinwesen in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen engagieren und bei vielen Menschen, Gruppen, Organisationen, Vereinen und lokalpolitischen Entscheidungsträgern vor Ort bekannt und eng vernetzt sind.

Solche auf lokaler Ebene zupackenden und handelnden Menschen beziehungsweise Gruppen sind in den europäischen Städten gar nicht so selten. Oft zeichnen sie der Blick über den lokalen Tellerrand sowie ein globales, weltoffenes, interkulturell tolerantes Denken aus. Die von ihnen ausgehenden und von ihnen angestoßenen Ideen, Bewegungen, Projekte und Initiativen in den Städten und Quartieren machen sie zur Verkörperung der Idee vom „glokalen“ Denken und Handeln. Die sich hinter diesem Kunstbegriff verbergende Einladung an jeden Einzelnen Bewohner der Stadt, sich an der Fortentwicklung einer Kultur in Balance zu beteiligen, wird von diesen lokalen Gruppen mit aktivem Leben erfüllt. Als pro¬blematisch erweist sich jedoch, dass ihr, zudem häufig ehrenamtliches, Engagement oft nicht in dem Maße mit den relevanten lokalpolitischen Entscheidungs¬trägern und verantwortlichen Gruppen verknüpft ist, so dass sie tatsächlich effektiven Einfluss ausüben können, oder sich ihre neuen Impulse und Innovationen in einer lokalen, städtischen Agenda nachhaltig manifestieren würden. In diesem Punkt zeigten sich frühere lokale Eliten durch ihre Wirtschaftskraft vielleicht wesentlich besser aufgestellt.

Ein wichtiges Ziel aller beteiligten Akteure muss es daher sein, die neuen lokalen Eliten in einem solchen Maße in die Entwicklung der europäischen Stadt einzu¬binden, dass sie nicht mehr nur einer der vielen Bestandteile des Organismus Stadt bleiben, sondern sich wieder zu einem zentralen, bedeutsamen und einfluss¬reichen Potential für die Zukunft der europäischen Stadt entfalten können.

Vor dem Hintergrund der aktuellen sowie der absehbaren weiteren demographischen Entwicklung aus absoluter Bevölkerungsabnahme und einer immer weiter steigenden Lebenserwartung, wird der Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitnehmer künftig noch eine wesentlich größere Bedeutung zukommen als schon bisher. Dass Deutschland und ein größerer Teil Europas diese guten und hochqualifizierten Zuwanderer zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der derzeitigen Wirtschaftleistung und des Wohlstands dringend benötigen, steht nicht mehr in Frage. Nunmehr gilt es Antworten darauf zu finden, wie die europäische Stadt um diese Menschen werben kann. Wie schafft sie es, sich für die Zuwanderung sogenannter neuer transnationaler Mittelschichten attraktiv aufzustellen? Damit unmittelbar einhergehend stellt sich die Frage nach Wegen und Möglichkeiten einer erfolgreichen Integration der Zuwanderer in der Mitte unserer Gesellschaft.

Ganz wesentlich für die attraktive Strahlkraft eines Standortes für Zuwanderer ist dessen Offenheit und Toleranz gegenüber fremden Kulturen und fremdem Denken. Diese Kultur der Offenheit, diese Kultur des offenen, vorurteilsfreien Dialogs zwischen Menschen und Gruppen müssen deutsche Städte mitunter allerdings erst noch lernen. Bestimmte Voreingenommenheit sowie intolerantes Verhalten werfen seit Jahren regelmäßig ein schlechtes Licht auf die angebliche Weltoffenheit manch deutscher Großstadt. Es muss das gelingen, was einer Weltstadt wie etwa London schon wesentlich besser gelungen ist. Es darf keine Rolle mehr spielen, ob beispielsweise der Busfahrer am Morgen schwarzer oder weißer Hautfarbe ist, sondern es muss das gemeinsame Zusammenleben verschiedener Hautfarben, Religionen, Kulturen usw. für jedermann in einem solchen Sinne derart normal und alltäglich sein, dass sich die Frage etwa nach der Hautfarbe überhaupt nicht mehr stellt.

Diese und andere Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen müssen sich in großem Maße verwischen. Wenn sich also irgendwann die verschiedensten in einer Stadt zusammenlebenden Ethnien unter einer Werbekampagne wie dem aktuellen Berliner Motto „be Berlin“ zusammen¬finden und sich damit identifizieren können, dann ist der größte und wichtigste Schritt schon gemacht, sich als weltoffene Stadt zu präsentieren und um hochqualifizierte Zuwanderer zu werben.

Ein wichtiger Schlüssel dazu sind Bildung und erfolgreiche Integration schon bei den Kleinsten. Bereits im Kindesalter müssen ein breiter kultureller Bildungsansatz vermittelt, ein offener Dialog sowie Toleranz ein¬geübt werden. Denn nur wenn es den heute Kleinsten bereits als normal und vertraut erscheint, dass es auch andere Kulturen und Traditionen als die des eigenen Elternhauses gibt, können sie künftig die notwendige Kultur der Offenheit und des unvoreingenommenen Dialogs mit aktivem Leben erfüllen und mit Erfolg um die Zuwanderung neuer transnationaler Mittelschichten in die euro¬päischen Städte werben. Dieses neue Denken und Lernen muss aber letztlich vor Ort angestoßen werden und kann der Bevölkerung nicht von oben übergestülpt werden.

Die Stadt Hamburg kommt diesem von unten wirkenden Ansatz beispielsweise nach, indem sie Zeit und Geld in lokale sportliche und kulturelle Projekte investiert und damit die interkulturelle Bildung und Integration der Kleinsten aktiv fördert. Darüber hinaus dürfen aber auch die Erwachsenen nicht vergessen werden. Besonders hochwertige Angebote aus dem künstlerisch-kulturellen Bereich wirken anziehend und integrativ auf bereits Zugewanderte oder noch zuzugswillige gut- und hochqualifizierte Arbeitnehmer. Es muss daher Wunsch und Ziel der Städte sein auch weiterhin für Kunst und Kultur Geld auszugeben und nicht an den falschen Stellen zu sparen: Theater, Opern, Museen, Ausstellungen und viele andere Träger kultureller Angebote bleiben auf die Zuschüsse und Investitionen der europäischen Städte dringend angewiesen. Nur dann können sie die Qualität nachhaltig aufrecht erhalten, die vonnöten ist um sich für die besten Zuwanderer attraktiv und kulturell weltoffen aufzustellen und diese langfristig für Stadt und Region zu gewinnen.

Die erfolgreiche Integration der Zuwanderer in die heimische Gesellschaft und ein friedliches, multikulturelles Miteinander der verschiedenen Gruppen in einer Stadt, ist schließlich nur mit den gleichen Mitteln zu bewerkstelligen wie bereits das Werben um diese neuen transnationalen Mittelschichten. Der offene, vorurteilsfreie Dialog zwischen den Menschen und interkulturelles, gegenseitiges Lernen sind nicht nur Werbezweck, sondern müssen gelebter Alltag werden. Es müssen beständig Brücken der Verständigung gebaut werden zwischen den alteingesessenen Einwohnern und den Einwanderergruppen. Nur ein solcher Prozess der Vermischung und Verschränkung von verschiedenen Traditionen und kulturellen Prägungen bei gleichzeitiger Bewahrung und Beachtung der eigenen Wurzeln, wird mit der Zeit zu erfolgreichem, multikulturellem Zusammenleben führen.

Die Potentiale der europäischen Stadt sind ähnlich vielfältig wie ihre erfolgreiche Geschichte bereits lang ist. Neue Zuwanderergruppen können und müssen in der Zukunft ein wichtiger Schlüssel bei der Aufrechterhaltung wirtschaftlichen und kulturellen Erfolgs sein. Es muss nach weitere Möglichkeiten und Ansätzen gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens gesucht werden. Dabei gilt es, künftig trotzdem noch mehr auf die lokale Praxis einzugehen, bereits erfolgreiche Ansätze und Methoden unter den europäischen Städten zu verbreiten und dabei voneinander zu lernen. Die europäischen Städte sollten sich noch stärker miteinander vernetzen und sich ihre konkreten Erfolge auf interkultureller Ebene und im Bereich Integration von Zuwanderern gegenseitig vorstellen. (Christian Könning)

Forum:

Potentiale der europäischen Stadt.

Teilnehmer:

Prof. Dr. Tim Butler (Großbritannien), Juan Luis Chulilla Cano (Spanien), Prof. Dr. Ilse Helbrecht, Prof. Dr. Reiner Pommerin (Moderation) Prof. Dr. Jörn Walter, Dr. Darius Zifonun (Moderation)


Ansatz:


Die europäische Stadt war und ist als Erfahrungsraum, Modell und Mythos wesentlicher Bestandteil der europäischen Moderne. Mit ihr verbinden sich die gesellschaftliche und politische Partizipation einer aktiven Bürgerschaft, die Integration sozialer Klassen und immer neuer Zuzügler und ein Lebensstil, der gerade in der Anonymität dem Einzelnen Freiheitsräume eröffnet. Vor dem Hintergrund umfassender gesellschaftlicher Veränderungen befasst sich das Panel mit der ‚Zukunftsfähigkeit’ der europäischen Stadt.

Referenten:

Prof. Dr. Jörn Walter
Prof. Dr. Tim Butler (Großbritannien)
Juan Luis Chulilla Cano (Spanien)
Prof. Dr. Ilse Helbrecht
Moderation: Prof. Dr. Reiner Pommerin und Dr. Dariuš Zifonun


Zeit und Ort

Freitag, 09. Oktober 2009, 14:00 bis 15:30 Uhr
Orangerie in der Gläsernen Manufaktur von VW

Weitere Hinweise

Initiatoren/Partner: Goethe-Institut, Sächsischer Kultursenat, Kulturwissenschaftliches Institut Essen
Simultanübersetzung deutsch und englisch


Wir führten ein Gespräch mit Dr. Jürgen Ohlau, Präsident des Sächsischen Kultursenats.


Bild Ohlau für Newsletter

WCF: Herr Dr. Ohlau, warum setzen Sie mit Ihren Partnern den Focus auf die europäische Stadt oder besser gesagt europäische Stadtkultur?

Ohlau: Wir haben uns an der Vision des WORLD CULTURE FORUMs orientiert, eine Balance der Kulturen in den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Religion und Politik zu schaffen, zumindest unsrerseits alles dafür zu tun, einen globalen Dialog zu initiieren.
Wir sind der Meinung, dass die europäische Stadt alle obengenannten Teilbereiche der Kultur zusammenfasst und ihr Zusammenwirken darstellt. Betrachtet man die Geschichte der europäischen Städte, stellt sich heraus, dass sie sich immer wieder auf neue Gesellschafts-Situationen erfolgreich eingestellt haben und dass ihr weiteres Gedeihen davon abhängig war, dass das Zusammenspiel der Kräfte wiederhergestellt wurde. Die so entstandenen Gesellschaftsmodelle konnten dann auch auf größere Gemeinschaften übertragen werden. Wie in der Industrie: Bevor die große Produktion startet, wird in Experimenten und Laborversuchen getestet – für uns ist die Stadt eine Art Raumort-Labor, in welchem die Balance der Kulturen bereits erfolgreich getestet wurde und auch täglich aufs Neue getestet wird.


WCF: Kann denn ein europäisches Stadtmodell überhaupt Vorbild für Städte in Asien oder Afrika haben? Ist solch ein Modell übertragbar?

Ohlau: Genau das wollen wir ja analysieren und sehr kritisch hinterfragen. Ist es zum Beispiel der richtige Weg, wenn europäische Stararchitekten mit ihren westlichen Einstellungen eingeladen werden, neue Großstädte in Afrika oder Asien zu planen? Das sieht heute zwar gut aus, aber hat dieses Modell auch eine nachhaltige Zukunft oder bleiben diese Städte immer Oasen innerhalb einer über Jahrtausende gewachsenen Landeskultur.

WCF: Sie waren ja sehr lange beim Goethe-Institut in leitender Funktion tätig und haben auch den Kontakt zum WORLD CULTURE FORUM hergestellt. Gestatten Sie die Frage: Was haben Goethe Institute mit Stadtkultur zu tun?

Ohlau: Aus meiner Sicht sehr viel. Die Mitarbeiter des Goethe Institutes sind weltweit in allen Welt-Kulturen tätig. Sie müssen sich täglich mit den Lebens-Strukturen vor Ort auseinandersetzen, da sie für ihre Arbeit eine hohe Akzeptanz der Bevölkerung und der Öffentlichkeit brauchen. Diese Erfahrungen möchten wir in das 2. WORLD CULTURE FORUM einbringen und mithelfen, die Ergebnisse des WCF international weiter zu tragen und vor allem ‚offene Fragen’ beantworten helfen, in dem wir diese vor Ort in den betroffenen Ländern selbst stellen. Kurz: Die Goethe Institute werden angeregt, nach dem Forum auf der Grundlage der vielfältigen Ergebnisse des 2. WORLD CULTURE FORUM in aller Welt weiter zu diskutieren und gefundene Antworten und Anregungen in das nächste Forum einzubringen.


Ausführliches Konzept


Die europäische Stadt war und ist als Erfahrungsraum, Modell und Mythos wesentlicher Be-standteil der europäischen Moderne. Mit ihr verbinden sich die gesellschaftliche und politi-sche Partizipation einer aktiven Bürgerschaft, die Integration sozialer Klassen und immer neuer Zuzügler und ein Lebensstil, der gerade in der Anonymität dem Einzelnen Freiheits-räume eröffnet.

Vor dem Hintergrund umfassender gesellschaftlicher Veränderungen befasst sich das Panel mit der ‚Zukunftsfähigkeit’ der europäischen Stadt. Prozesse der Suburbanisierung und der Fragmentierung der Stadt, der Privatisierung des öffentlichen Raums genauso wie des Schrumpfens von Städten verweisen darauf, dass die europäische Stadt unter Druck ge-raten ist. Gleichzeitig hat sie ihre globale Ausstrahlungskraft verloren und erscheint ange-sichts der vielfältigen Ausprägungen von Modernität (multiple modernities) auch in globa-ler Perspektive als Auslaufmodell. Megacities von ausufernder Größe und einer dramatischen Spaltung zwischen arm und reich sowie global cities mit neuartigen Struk-turen der political governance und der Ökonomie beherrschen die Diskussion um die Zukunft der Stadt.

Neuerdings jedoch mehren sich die Stimmen, die nicht in den Abgesang auf die euro-päische Stadt einstimmen wollen. So wird darauf verwiesen, dass der urbane Lebensstil eine Renaissance erfährt und innerstädtische Wohngebiete neue Attraktivität erlangen, dass von ‚amerikanischen Verhältnissen’ in Europa bei weitem nicht die Rede sein kann, dass sich die kommunale Politik ihrer Steuerungs- und Gestaltungsspielräume besinnt und Unternehmen im Sinne einer corporate citizenship Verantwortung für die Stadtgesellschaft übernehmen.

Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der europäischen Stadt richtet sich die Aufmerksamkeit des Panels auf die folgenden Fragen:

• Lokale Eliten: Die Zeiten der Unternehmenspatriarchen, die eine moralische Verpflich-tung für ihre Stadt empfinden, sind vorbei. Auf welche Weise übernehmen Unter-nehmenseigner und Spitzenmanager – aber auch lokale Kultureliten – heute Verantwortung für das Wohl der gesamten Stadt und wie kann sich dieses Potential zukünftig entwickeln?

• Neue transnationale Mittelschichten: Die Zuwanderung hoch qualifizierter Arbeit-nehmer gilt als eine unerlässliche Beschäftigungsressource. Wie muss eine Stadt beschaffen sein, um im (globalen) Wettbewerb um Spitzenkräfte attraktiv zu sein und wie können diese (langfristig) an die Stadt gebunden werden?

• Multikulturelles Zusammenleben: Die ‚Unterschichtung’ von Migrantengruppen und ihre stadträumliche Segregation genauso wie Bildungsnachteile von Einwandererjugend-lichen und interreligiöse Konflikte stellen zentrale Problembereiche des städtischen Alltagslebens dar. Welche Potentiale können Städte aktivieren, um diese Probleme zu bewältigen?
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