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World Culture Forum
Stimmungsbild für Panels European Congress 2009


Nachhaltiger Dialog – Basis einer interkulturellen Praxis


„Interkulturelle Balance braucht einen nachhaltigen Dialog!“ (Gidoomal) Doch wie gestaltet sich dieser und vor allem, was ist darunter zu verstehen? Nachhaltigkeit und Dialog gehören inzwischen zu den international am häufigsten gebrauchten Schlagworten, mit „eingebauter“ Zustimmung. Wo immer eines der beiden Worte fällt, ist ein fast ehrfürchtiges Nicken des Publikums garantiert. Der Grund hierfür liegt in der positiven Konnotation beider Begriffe. Zwar hat jeder eine etwas andere Vorstellung, wenn er Nachhaltigkeit oder Dialog hört, einig ist man ist sich aber, dass es sich gewiss um etwas Gutes handelt. Vielleicht sind beide Begriffe gerade deswegen Paradebeispiele für den langwierigen internationalen Austausch. Allein Google zeigt für die Begriffe Nachhaltigkeit und Dialog zusammen etwa 100 Mio. Treffer. Doch was ist unter Dialog oder genauer unter nachhaltigem Dialog, im Kontext von interkultureller Balance, tatsächlich zu verstehen?

Dialog bedeutet Austausch, Interaktion und vor allem die Fähigkeit zuhören zu können. Er ist die Wurzel des europäischen Humanismus (Erasmus von Rotterdam). Dialog kann verbinden, Dialog kann trennen, er kann Brücken bauen oder zerstören. Wir können einen Dialog führen, um den Status quo zu erhalten oder um ihn zu überwinden. Ohne Dialog herrschen Konfrontation, Misstrauen und schließlich offene Feindseligkeit. Dialog ist die Essenz jedweder interpersonellen Interaktion. Gerade für multikulturelle Gesellschaften ist er von unschätzbarem Wert.

Nachhaltiger Dialog entsteht nicht durch Zufall; er bedarf echter Anstrengungen, denn es gilt ihn gegen jede Widrigkeit aufrecht zu erhalten – etwa gegen strukturellen Rassismus, Angst, Vorurteile, Respektlosigkeit, Uninformiertheit, Simplifizierung, Ignoranz, fehlende Sensibilität und Selbstzentriertheit. Dies sind alles Probleme, die einen nachhaltigen Dialog erschweren oder vollkommen unmöglich machen können. Wollen wir unsere ökonomischen, ökologischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Infrastrukturen nachhaltiger gestalten, müssen wir bereit sein, diese im Kontext einer sich verändernden Welt neu zu interpretieren. Den Dialog mit Anderen zu suchen, kann hierfür ein sehr gewinnbringender Prozess sein. Nur weil wir in Europa keine Lösung für ein Problem haben, so heißt das nicht, dass nicht anderswo auf der Welt eine Lösung existiert. Der Dialog lebt von der Fähigkeit zuhören zu können und nicht ständig nur zu sprechen – andernfalls wäre es ein bloßer Monolog. Denn es könnte sich als durchaus wichtig erweisen, was uns andere Menschen aus anderen Kulturen zu sagen haben.

Angesichts der Multikulturalität unserer Gesellschaften, brauchen wir neue Konzepte für einen nachhaltigen Dialog; wir müssen einerseits neue sprachliche und interkulturelle Kompetenzen erwerben, andererseits wird es Zeit, uns von alten, bisweilen überkommen Gewissheiten zu trennen. Die Welt ist heute zwar ein Dorf. „Aber der Name des Dorfes ist Babylon.“ (Kneip) Diese globale multikulturelle Welt gilt es zu erschließen und zu verstehen. Bildung, im klassisch humanistischen Sinne, ist hierzu eine wesentliche Kompetenz. Sie birgt den Schlüssel zu unserer eigenen Kultur, zu unserer eigenen Identität; darüber hinaus gibt sie uns das Rüstzeug, über unsere eigenen Grenzen hinweg zu schauen und im interkulturellen Austausch weiterzuentwickeln. Lernen ist somit eine Kulturtechnik, mit der wir uns die Welt erschließen können.

Für die interkulturelle Balance ist es somit von Belang, dass Bildung eben nicht nur den Prinzipien ökonomischer Rationalität folgt – was kann ich mit dem erworbenen Wissen anfangen –, sondern auch die Eigenlogiken anderer gesellschaftlicher Wertesysteme vermittelt. Die Auseinandersetzung mit den schönen Künsten, bietet hier einen möglichen Weg zu mehr inter-kultureller Sensibilität. Letztlich gilt es, den Menschen in seiner Gesamtheit zu bilden und ihn nicht nur auszubilden. (Alexander Löcher)

Forum:

Interkulturelle Balance als Schlüsselthema

Teilnehmer:

Prof. Susana Chacón, Prof. Dr. Ram Gidoomal, Hans Reitz, Hiroo Saionji, Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Rademacher (Moderation).



Ansatz:

Die andauernde Krise der Realökonomie verlangt nach Lösungsansätzen und Leitplanken für die Weltwirtschaft der Zukunft. Die Kulturen der Welt verfügen jenseits des Ökonomischen über ein Potenzial, das aus vielhundertjähriger Erfahrung und ethischen Quellen gespeist wird. Sie können eine Basis für die Lösung der weltweiten Herausforderungen sein, aber nur, wenn interkulturelle Balance der Maßstab ist.


Zeit und Ort


Freitag 09. Oktober 2009, 16:00 bis 18:00Uhr
Orangerie in der Gläsernen Manufaktur

Weitere Hinweise

Partner/Initiator: FAW Institut für anwendungsorientierte Wissenschaft
Simultanübersetzung deutsch/englisch

Interview mit Prof. Dr. Dr. Franz Radermacher


Professor Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Club of Rome, Präsident des BWA; Initiator der Global Marshall Plan Initiative und Leiter des FAW Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (Ulm) hat für das 2. WORLD CULTURE FORUM eine außergewöhnliche Diskussionsrunde eingeladen, um über die aktuelle Situation der Welt-wirtschaft zu diskutieren. Er wird mit seinen Gästen ein Zukunftsmodell entwerfen, welches in Balance mit den anderen Kulturbereichen Wissen-schaft, Politik, Kunst, Religion und Medien entstehen kann:

Bild Radermacher

Herr Professor Radermacher, Sie bieten Ökosoziale Marktwirtschaft als ein Lösungsmodell im Rahmen eines Global Marshall Plans an. Können Sie die wichtigsten Bedingungen, eine Ökosozialen Markt-wirtschaft zu schaffen, kurz skizzieren?
„Wesentlich für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft ist die Setzung globaler Regelwerke des Ökonomischen und die Schaffung ent-sprechender Institutionen, die konsequent die Umwelt und die Ressour-cenbasis schützen, z. B. durch

• Internalisierung externer Kosten, wie in der Klimathematik
• die Schaffung einer weltweiten sozialen Balance, u. a. auch durch eine deutlich erhöhte Querfinanzierung von Entwicklungen in den zu-rückliegenden Staaten
• das Anstreben einer Balance zwischen den großen Kulturen im Sinne eines Weltethos
• Die Förderung einer balancierten mittelständischen Entwicklung in der Wirtschaft, vor allem durch Ausschluss allzu großer Strukturbil-dungen, z. B. über eine Weltkartellbehörde
• Eine konsequente Regulierung des Weltfinanzsystems, inklusive der „Einhegung“ aller Steuerparadiese, der weitgehenden Verhinderung grenzüberschreitender Steueroptimierungsmöglichkeiten sowie der Be-steuerung globaler Transaktionen und des Zugriffs auf Weltgemeingüter.

Voraussetzungen, einen solchen Weg gehen zu können, sind bessere Bdingungen der Global Governance, die letztlich nur aus Vereinbarungen der Staaten
resultieren können. Ein wichtiges begleitendes Element wäre die Etablie-rung
einer parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen.“


Sie fordern eine weniger 'materielle Kultur' für die Zukunft.
Wie gestaltet sich diese?

„Generell spricht man von Dematerialisierung und Erhöhung der Ökoeffizienz im Rahmen von Faktor 4- und Faktor 10-Konzepten. Es geht letztlich darum, durch technischen Fortschritt aus weniger materiellem Input mehr werthaltigen Output zu erzeugen, wobei dieser Output stärker spirituell, kreativ, künstlerischer sein wird als heute, weil näm-lich materielle Komponenten teurer werden, menschlich kreativer Input hingegen - relativ betrachtet – preiswerter sein wird. Wesentliche Voraussetzung eines solchen Weges, der ja auch Veränderungen von Lebensstilen beinhaltet, ist eine vernünftige Bepreisung der Knapp-heit von Ressourcen. Dazu gehört auch ein konsequenter Schutz des Klimas durch massive Reduktion bzw. Verteuerung von Klimagas-Emissionen. Letzteres im Rahmen eines globalen Cap- und Trade Systeme für Klimagasemissionen auf Basis des Prinzips der Klimagerechtigkeit (Carbon justice).“


Welche Menschen wollen Sie mit Ihrer Diskussion vorrangig er-reichen? Manager, Kulturschaffende?
„Wir sind an einer breiten Gruppe von Mitdiskutanten interessiert. Die Zielrichtung ist nicht die hohe Kultur im engeren Sinne, auch wenn letztere eine wichtige Dimension des Kulturellen mit hoher Multiplika-torwirkung darstellt. Wir sind insofern interessiert an Menschen und Führungspersönlichkeiten aus allen Lebensbereichen, also aus Wirt-schaft, Kunst, Religion, Wissenschaft, Politik und Medien.“

Ihr Wunsch-Ergebnis für Dresden?
„Mein Wunschergebnis ist ein gemeinsames Verständnis über einen breiten Kulturbegriff, ausgehend von unseren Erfahrungen zu dieser Thematik in Europa über die letzten 2000 Jahre. Unser An-liegen ist das Begreifen von Kultur als die Letztreferenz für die Ge-staltung von Gesellschaften, die Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Religion, Medien und Kunst gleichermaßen umfasst. Die Tagung in Dresden ist Ausgangspunkt für den nächsten Schritt, nämlich die Ein-bettung all unserer Überlegungen in einem weltweiten Kontext. Die Diskutanten, die in dem von mir geleiteten Panel mitwirken werden, garantieren bereits auch diesen weltweiten Brückenschlag.“


Ausführliches Konzept:


Die globale Situation ist schwierig. Seit langem schon wachsen die Bedrohungen im Um-welt- und Ressourcenbereich und bezüglich der sozialen Spaltung in Arm und Reich, die der Club of Rome und andere seit Jahren thematisieren. Hier muss bis zum Jahr 2012 ein Kyoto-Folgevertrag ausverhandelt sein. Gelingt dieser Vertrag nicht, drohen gigantische Vernichtungen von Eigentum durch den Klimawandel und in der Folge massive Konflikte zwischen Verursachern und Betroffenen. Nun schieben sich kurzfristig andere Themen in den Vordergrund. Wir sind mit einer dramatischen Weltfinanzmarktkrise konfrontiert und einer dadurch induzierten Krise der Realökonomie konfrontiert. Hochverschuldete Staaten müssen Schutzdämme errichten, belasten sich dazu noch mehr als zuvor. Erforderlich ist ein Bretton Woods II, gleichzeitig die Einhegung der Steuerparadiese und die Durch-setzung einer angemessenen und fairen Besteuerung weltweit zur Stabilisierung der Staatsfinanzen. Kurzfristig steht damit die Hälfte der Global Governance zur Disposition. Wo sind Wegweiser, wo sind Leitplanken? Die Kulturen der Welt verfügen jenseits des Ökonomischen über ein Potential, das aus vielhundertjähriger Erfahrung und ethischen Quellen gespeist wird. Es geht um die Balance von Rechten und Pflichten und die Umset-zung der Goldenen Regel: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu“. Die Kultur kann eine Basis für die Lösung der weltweiten Herausforderungen sein, aber nur, wenn interkulturelle Balance der Maßstab ist. Überlegungen hierzu diskutiert ein Panel von Experten, die mit der weltkulturellen Thematik aus persönlicher Anschauung und langjähriger Forschung vertraut sind.



Initiator: Prof. Dr. Dr. F. J. Radermacher
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